Erdwärme macht unabhängig
In Zeiten des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine, in denen keiner weiß, ob und wie lange das Gas fließen wird und in Zeiten schwindender Ölreserven sowie steigender Preise, gibt es einen Ausweg: Erdwärme.
Erdwärme macht unabhängig. Unabhängig von Gas und Öl und auch von Elektroheizungen. Jeden Tag werden es mehr, die unabhängig sein wollen. Im Speckgürtel von München, genauer in den Gemeinden Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim entsteht daher das erste “interkommunale Geothermie-Projekt”. Die Bewohner der drei Gemeinden können die Bauarbeiten daheim am Computer verfolgen: mit ständig aktualisierten Bildern im Internet.
Experten sind sich einig. Mit der Nutzung von Erdwärme ist eine Energiewende möglich. Unter der Erde liegen Millionen Liter heißes Wasser und damit millionenfach ungenutzte Energie. Ungünstig ist allerdings, dass die Bohrungen sehr teuer sind. Für die drei bayrischen Gemeinden fallen hier Kosten in Höhe von elf Millionen Euro an. Dafür haben sie zusammengelegt. Damit in Zukunft bis zu 6000 Gebäude mit Erdwärme versorgt werden können.
Um den Selbstversorgerstatus zu komplettieren, wird außerdem ein Biomasse-Kraftwerk gebaut und für den Winter ein Ölbrenner. Jeder Haushalt zahlt für den Anschluss mehr als 7000 Euro. Die Planer gehen davon aus, dass sich die Investitionen von insgesamt geschätzten 80 bis 100 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 auszahlen werden und das Projekt schwarze Zahlen schreiben wird.
Positiver Nebeneffekt der Kostensenkung für die Einwohner ist der Aspekt, dass eine Erdwärmeversorgung auch zum Klimaschutz beiträgt. Denn der wird in Bayern schon seit einiger Zeit groß geschrieben. So verwundert es denn auch nicht, dass mancher auch seine recht neue Öl- oder Gasheizung gegen eine Erdwärmeheizung austauschen lässt. Pro Jahr kann ein einzelner Haushalt mit Erdwärme soviel CO2 einsparen, wie eine Autofahrt von München nach Sydney ausstoßen würde. Das macht etwa drei bis vier Tonnen aus. Wohlgemerkt pro Haushalt.
Inzwischen interessieren sich nicht mehr nur einzelne Gemeinden oder Städte für Erdwärme, auch die großen Energieversorger sind hellhörig geworden. Sie haben das wirtschaftliche Potential erkannt, das in Erdwärme schlummert. Sie wollten sich am bayrischen Projekt beteiligen - doch die Gemeinden sagten ab, weil sie ihren Preis selbst bestimmen wollen.
Die Gewinne aus dem Projekt kommen den Gemeinden zugute. Sie zahlen weniger für die Energie und es fließt Geld in Kindergärten, Schulen und andere Gemeinschaftseinrichtungen. Und das Projekt macht Schule: Mehr als 140 Anträge auf Erdwärmeerschließung hat das bayrische Wirtschaftsministerium bereits zur Vorlage.
GeoTechnikum Bochum erhält 11 Millionen Euro Förderung
Rund 11 Millionen Euro wird das Wirtschaftsministerium Nordrhein-Westfalen in den kommenden vier Jahren in die Errichtung des GeoTechnikums auf dem Universitätscampus in Bochum investieren. Nach den großen Erfolgen der vergangenen Jahre beim Ausbau der Erdwärmenutzung, sollten nun auch in deutlich größeren Tiefen liegende Geothermiepotentiale nutzbar gemacht werden können, erklärte Wirtschaftsministerin Christa Thoben. „Die dazu erforderlichen Technologien sollen im GeoTechnikum Bochum ab sofort weiter entwickelt, erprobt und für die Anwendung vorbereitet werden“, sagte sie weiter.
Das Geld wird neben dem Aufbau der Infrastruktur hauptsächlich für die notwendige Spezial-Bohrtechnik (Coiled-Tubing) eingesetzt werden. Hiermit können auch in Tiefen von mehr als 1000 Metern Potentiale erschlossen werden. Entwickelt wurde sie in den USA für die Erdgas- und Erdölförderung. Für die Erdwärmenutzung will das GeoTechnikum eng mit der Industrie und hier vor allem mit Bohr- und Bergbauzulieferern zusammenarbeiten. Das Ziel ist die Versorgung auch großer Siedlungs- und Gebäudekomplexe mit Erdwärme.
Der Geologische Dienst hat ein geothermisches Informationssystem für das Ruhrgebiet erstellt. Mit Hilfe dieses Systems können Erdwärmepotentiale in bis zu 5000 Metern Tiefe nachgewiesen werden. Aufgabe des GeoTechnikum in Bochum wird nun sein, die Nutzung dieser Potentiale alltagstauglich umzusetzen und neue Technologien hierfür zur Marktreife zu führen.
Erdwärme im Aufschwung
Das Örtchen Meerbusch in Nordrhein-Westfalen ist ein Mekka für Erdwärme-Spezialisten. Aufgrund seiner geothermischen Eigenschaften ist Meerbusch der ideale Ort für Erdwärme-Forschung. Darum gibt es in der Nähe, in der Stadt Willich, ein “Kompetenzzentrum Geothermie”, in dem sich Interessierte in einer wöchentlichen Sprechstunde zum Thema informieren können. In einem Interview sprach der Diplom-Geologe Markus Himml über die Vorteile der Erdwärme, ihre Kosten und den Erdwärme-Boom in Deutschland. Ein sehr interessantes Gespräch, wie ich finde.
Unter anderem betont Himml dort, dass Erdwärme fast überall genutzt werden kann, auch wenn die Bedingungen nicht so optimal wie in Meerbusch sind. Auch würden die Kosten heute überschaubar bleiben, weil die Technik sich in den letzten Jahren optimiert habe. Er weist jedoch darauf hin, dass vor dem Einbau einer neuen Wärmepumpe zuerst die Wärmedämmung verbessert werden sollte.
