Umweltministerium, KfW und Münchener Rück verringern Risiko bei Tiefenbohrungen
geschrieben am 5. März 2009; Autor: juliane
abgelegt unter Allgemein, Förderung, erneuerbare Energien
Ab sofort starten das Bundesumweltministerium, die KfW Bankengruppe und die Münchener Rück ein neues Kreditprogramm zum Ausbau der Geothermie in Deutschland. Gemeinsam stellen sie 60 Millionen Euro zur Finanzierung von geothermalen Tiefenbohrungen zur Verfügung.  Mit Hilfe des Programmes soll insbesondere das Fündigkeitsrisiko der Projekte gefördert werden. Wegen des Risikos, in der Tiefe nicht fündig zu werden, besteht in den hohen Bohrkosten das größte Investitionshemmnis für Tiefengeothermie-Projekte. Denn für die kommerzielle Nutzung der Tiefenerdwärme zur Wärme- und/oder Stromgewinnung ist es besonders wichtig, dass im Untergrund ausreichende Mengen an heißem Wasser zu finden sind. Es geht pro Projekt um rund zehn Millionen Euro oder sogar mehr. Dieses Risiko will das Programm abfedern.
Über Geschäftsbanken wird die KfW Darlehen für Tiefengeothermiebohrungen gewähren. Maximal 80 Prozent der förderfähigen Kosten können so finanziert werden. Mit dem Zeitpunkt der Feststellung der Nicht-Fündigkeit ist der Investor von der Rückzahlung des Restdarlehens freigestellt. Im Vorfeld der Darlehensvergabe wird das Fündigkeitsrisiko der jeweiligen Tiefengeothermieprojekte festgestellt und so die Förderwürdigkeit überprüft.
Neben den üblichen Darlehenszinsen enthalten die Förderdarlehen einen “Risikoaufschlag” für das Fündigkeitsrisiko. Außerdem fallen bei Antragstellung und Abschluss des Darlehensvertrages einmalige Gebühren an. Der Investor erhält im Gegenzug eine fachkundige Ãœberprüfung und Begleitung seines Tiefengeothermieprojektes vor und während der Bohrphase.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel betonte, dass die Tiefengeothermie große Chancen für eine klimafreundliche und wirtschaftliche Energieversorgung biete. Mit einer stärkeren Förderung von Geothermieanlagen im Martanreizprogramm und der seit dem 1. Januar geltenden EEG-Novelle wären die Rahmenbedingungen für diese Technologie nochmals verbessert worden. Das neue Kreditprogramm sorge dafür, dass die Risiken für Anlagenbetreiber weiter verringert würden. Auch sei die Kooperation ein gutes Beispiel dafür, wie Politik und Unternehmen beim Klimaschutz angesichts der großen wirtschaftlichen Chancen auch in Zeiten der Finanzkrise an einem Strang ziehen könnten.
Wolfgang Kroh, Mitglied des Vorstandes der KfW Bankengruppe bekräftigte, dass die Bank dem Grundsatz der Nachhaltigkeit verpflichtet sei. Die Erschließung der heimischen erneuerbaren Energiequelle Tiefengeothermie sei aus Gründen des Klimaschutzes und einer nachhaltigen Energieversorgung wichtig und stelle einen weiteren Baustein im Kanon der breit gefächerten in- und ausländischen Förderaktivitäten für den Klimaschutz dar.
Thomas Bunck, Vorstandsmitglied der Münchener Rück, sagte, dass die Zusammenarbeit als Anschub gedacht sei, um die Finanzierung von Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien zu erleichtern. “Wir sehen den Klimawandel nicht nur als Risiko, sondern auch als Chance, da bei konsequentem Klimaschutz neue Technologien wie etwa die Energieerzeugung aus erneuerbaren Ressourcen enorme Wachstumspotenziale haben.” Mit der Expertise der Versicherung könne sie wesentlich dazu beitragen, die vielfach sehr speziellen Unsicherheitsfaktoren abzumildern, so auch im Bereich der Fündigkeitsversicherung für Tiefengeothermiebohrungen. Dabei komme der Ãœberprüfung des Fündigkeitsrisikos durch die Münchener Rück im Vorfeld der Vergabe eine wesentliche Bedeutung zu. Denn die Anzahl der förderbaren Geothermieprojekte hänge entscheidend davon ab, wie erfolgreich diese seien.
Nach menschlichem Ermessen bietet die Erdwärme ein unerschöpfliches Energiereservoir. Als besonders geeignete Regionen für Tiefengeothermieprojekte gelten in Deutschland das Molassebecken südlich von München, der Oberrheingraben und die norddeutsche Tiefebene. In Unterhaching bei München wurde mit Unterstützung der öffentlichen Hand das bislang größte deutsche Geothermie-Kraftwerk mit einer Strom- und Wärmeleistung von 38 Megawatt errichtet. An diesem Projekt war die Münchener Rück mit der ersten Fündigkeitsversicherung überhaupt beteiligt.
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